Skype
Im Interview mit der Wochenzeitung Computerwoche äußerte sich Skype-Mobile-Chef Russ Shaw zu Skype auf dem Handy und zu Befürchtungen, dass sogenannte Walled Gardens zurückkehren könnten. Damit wird das Phänomen bezeichnet, dass Netzanbieter Inhalte begrenzen und somit die Nutzer in ihrer Freiheit stark einschränken.
Russ Shaw sieht die Netzneutralität in Gefahr, die eigentlich ein Grundpfeiler moderner Kommunikations- und Informationstechnologie ist oder besser sein sollte. Auch weist er Forderungen zurück, laut denen unter anderem die Verantwortlichen für das verstärkte Netzaufkommen, also zum Beispiel Skype, an den Kosten beteiligt werden sollen.
Skype-Nutzung schadet Sprachumsätzen nicht
Russ Shaw drückt im Computerwoche-Gespräch sein Unverständnis ob der teilweise restriktiven Politik der Netzanbieter gegenüber Diensten wie Skype aus. Viele Provider blockieren nämlich Skype oder verlangen einen Aufpreis, will man das kostenlose Programm nutzen.
Laut Russ Shaw schneiden sich die Carrier, wie Netzanbieter auch genannt werden, ins eigene Fleisch, wenn sie Inhalte wie Skype blockieren, denn dessen potentielle Nutzer seien die aktivsten und einträglichsten Kunden. Auch leide Sprachumsatz der Anbieter nicht, wenn die Möglichkeit besteht, kostenlos per Skype zu telefonieren. Der Skype-Mobile-Chef führt hier das Beispiel des britischen Anbieters "3" an, dessen Umsatz trotz Skype-Nutzung nicht zurückgegangen sei.
Gute Aussichten für Skype
Allerdings sieht Russ Shaw durchaus positiv in die Zukunft. Zwar warnt er vor einem Zurückfallen in Zeiten der sogenannten Walled Gardens, doch hat er auch allen Grund zur Zuversicht. Kürzlich nämlich konnte Skype seine Partnerschaft mit Verizon zur Zusammenarbeit in den USA bekanntgeben. Außerdem hat AT&T, der exklusive iPhone Anbieter in den USA, bereits im August 2009 Voice via UMTS freigegeben, das heißt, die technische Grundvoraussetzung für die Verwendung von Skype auch in diesem Netz ist gegeben.
Die technischen Voraussetzungen sind das Stichwort, auf das Russ Shaw im Zusammenhang mit der Weigerung vieler Carrier eingeht, sich Diensten wie Skype zu öffnen. Als Grund dafür geben sie nämlich an, der Datenverkehr würde dann noch weiter ansteigen und ihre Netze noch mehr überlasten. Russ Shaw sieht darin lediglich eine Ausrede und eine unfaire Benachteiligung der Kunden. Er gibt zu bedenken, "dass wir gerade einmal auf zwei Jahre mobiles Internet zurückblicken und mit neuen Technologien ganz andere Möglichkeiten kommen."
"Kunden mögen Firmen wie Skype"
Nach Russ Shaws Dafürhalten wäre es ein großer Fehler der Carrier, ihr Internetangebot zu beschränken, denn gerade solche Firmen wie Skype seien bei den Kunden beliebt, weil sie "durch die Möglichkeit der ständigen Erreichbarkeit stark zum Nutzerlebnis beitragen."
Skype wurde 2003 gegründet und hat seinen Sitz in Luxemburg, mit Niederlassungen in Europa, Asien und den USA. Mittlerweile gehört das Unternehmen zu den erfolgreichsten Internet-Kommunikations-Firmen. Bis zu 20 Millionen Nutzer greifen gleichzeitig auf das Voice-Over-IP-Angebot von Skype zu.